Das grundlegende politische Ziel der LINKEN ist „Eine Schule für Alle“, und zwar von der ersten bis zur zehnten Klasse in Ganztagsform. „Eine Schule für Alle“ bezieht von der Förderschule bis zum Gymnasium alle Schulformen mit ein. Das klassische dreigliedrige Schulsystem – mit Förderschulen sind wir eigentlich bei einem Vierklassensystem – ist ein Schulsystem, das systematisch Schülerinnen und Schüler aussortiert.
In Krefeld verließen von rund 3.000 Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 2007/08 über 10 Prozent die Schule ohne jeden Abschluss. Den Hauptteil machten hier die Hauptschulen und die so genannten Förderschulen aus. Damit scheint Krefeld weit über dem Bundesdurchschnitt und dem Durchschnitt in NRW zu liegen. Im Jahr 2006 verließen bundesweit rund 76.000 Schülerinnen und Schüler die Schule, ohne über einen Hauptschulabschluss zu verfügen – dies waren 8 Prozent. Im NRW betrug der Anteil von Schülern ohne jeden Abschluss 6,8 Prozent (Bundesbildungsbericht 2008, S. 89).
Das viergliedrige Schulsystem produziert Verlierer, gesellschaftliche Verlierer, und dies vor allem in den armen Schichten der Bevölkerung und unter Migrantinnen und Migranten. In Europa ist es üblich, dass Kinder mindestens bis zur Klasse 10 gemeinsam die Schule besuchen, Deutschland stellt hier eine bedrückende konservative Ausnahme dar. Die Ergebnisse der PISA-Untersuchungen sind bekannt: Die Leistungen und Stärken der Schüler weisen gerade in Deutschland einen überdurchschnittlich hohen Zusammenhang mit der sozialen Herkunft auf. Dies ist eine Folge des gegliederten Schulsystems.
„Eine Schule für Alle“ bedeutet dagegen gemeinsames Lernen. Sie stellt eine Plattform für soziales Lernen dar – die Stärkeren unterstützen die Schwächeren und beide lernen dabei einen sozialen Umgang. „Eine Schule für Alle“ ist integrativ – Kinder mit und ohne Behinderung lernen gemeinsam. Und sie entspricht dem Willen vieler Eltern.
Die Förderung von Gesamtschulen ist ein erster Schritt zur Auflösung des gegliederten Schulsystems. Bis zu einer grundlegenden Neuorientierung unserer Schulpolitik stellt der Ausbau der Gesamtschulen eine Brücke dar, und die Gesamtschule ist von den Eltern gewollt. Die Anmeldezahlen an den nordrhein-westfälischen Gesamtschulen steigen kontinuierlich, während die Anmeldungen an Haupt- und Realschulen einbrechen.
In NRW werden im kommenden Schuljahr 14.000 Schüler, die eine Gesamtschule besuchen möchten, aus Platzmangel abgewiesen. Dies ist jeder dritte angemeldete Schüler an einer Gesamtschule. Derzeit bemühen sich etwa 30 Initiativen um die Gründung einer neuen Gesamtschule. Drei neue Gesamtschulen in Köln, Bad-Salzuflen und Lippstadt nehmen gerade ihre Arbeit auf.
Auch in Krefeld scheinen nach den vorliegenden Zahlen die Anmeldungen an Gesamtschulen konstant hoch zu sein. Für das Schuljahr 2009/10 wurden 647 und für das Schuljahr 2010/11 648 Schülerinnen und Schüler angemeldet. Bei einer maximalen Kapazität von 480 Plätzen müssen in diesem Jahr somit erneut etwa 170 Schüler abgewiesen werden. Bei einer durchschnittlichen Klassenfrequenz von 29 Schülerinnen und Schülern könnten mit diesen 170 Anmeldungen sechs neue Eingangsklassen eingerichtet werden. Und es könnte somit – sollten die Zahlen stabil bleiben – eine neue Gesamtschule auch in Krefeld eingerichtet werden.
Im Vergleich hierzu schneiden die Gymnasien, die Realschulen und die Hauptschulen in Krefeld schlecht ab. Für die Krefelder Gymnasien sind die Anmeldezahlen noch stabil, dieses Jahr wurden 814 Kinder angemeldet, im Vorjahr waren es 819. Bei den Realschulen stellen wir jedoch schon einen kleinen Einbruch fest, dieses Jahr wurden 476 und im Vorjahr 492 Kinder angemeldet. Die Hauptschulen sind dagegen gar nicht mehr zu halten. Keine der sechs städtischen Hauptschulen erreicht aktuell die Anmeldezahlen, die zur Fortführung notwendig wären, also um zwei Klassen in der Eingangsstufe zu bilden. Über die Presse erfahren wir mittlerweile von der drohenden Schließung einer oder zweier Hauptschulen.
Immer mehr Eltern weigern sich, ihre Kinder schon nach der vierten Klasse auf einen bestimmten Bildungsabschluss festzulegen. Sie weigern sich, ihre Kinder auf die für das spätere Berufsleben aussichtlose Hauptschule zu entsenden. Sie wollen Bildungsförderung und Chancen für ihre Kinder. So erklären sich die Anmeldezahlen an den Hauptschulen und Gesamtschulen.
In der Sitzung des Schulausschusses am 16. März wird DIE LINKE den Antrag stellen, die Einrichtung einer vierten städtischen Gesamtschule in Krefeld zu prüfen. Zunächst möchten wir von der Verwaltung über die Zahlen der angemeldeten und abgewiesenen Schülerinnen und Schülern der vergangenen fünf Jahre informiert werden. Zudem soll die Verwaltung einer Schülerprognose für die kommenden fünf Jahre abgeben. Auf dieser Basis soll der Schulausschuss die Einrichtung einer weiteren Gesamtschule prüfen.
Gegenüber der Rheinischen Post (4. März) erklärte Barbara Behr von den Grünen, dass "dass immer mehr Eltern es ablehnen, ihre Kinder frühzeitig zu sortieren und damit ihre Bildungschancen schon nach der Grundschulzeit festzulegen". Hierdurch erklären sich die hohen Anmeldezahlen an den Gesamtschulen. So hoffen wir auch auf die Unterstützung der Grünen für unseren Antrag.