Am 6.August hatte das Krefelder Friedensbündnis zum Gedenken an die Atom-Bombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vor 65 Jahren eine die Ernstheit des Thema voll würdigende sowie emotional ansprechende Gedächtnisveranstaltung um 22.00 Uhr („Nacht der 1000 Kerzen“) vor der Alten Kirche in Krefeld abgehalten. Diese meine Rückschau wurde ausgelöst durch den dazu in der RP am 9.August unter Rubrik „Kompakt“ erschienenen Artikel zur Veranstaltung.
Wenn dieser Artikel zuvor unter Termine erfolgt wäre, dann gäbe es wohl nichts zu beanstanden; jedoch die absolute Kürze ( verbunden mit einem Bild des Friedenssymbol der brennenden !000 Kerzen sowie im Hintergrund vielleicht gerade mal nur etwa 20 teilnehmende Personen ) dieses Artikels standen derart im Widerspruch zur Bedeutung des Themas sowie der vom Friedensbündnis geleisteten Vorbereitungsarbeit und der Qualität der Ausführenden, dass ich mich hiermit veranlaßt sehe, dem RP-Artikel nachfolgend hoffentlich kräftig (genug) nachzuhelfen.
Voran möchte ich stellen, daß ich seit längerem ( genau seit den Vorbereitungen zum Irak-Krieg, also 2003 ) im Bündnis mitgearbeitet habe, seit meiner Parteimitarbeit in der PDL allerdings überwiegend mehr als Sympathisantin und begrenzt an der Arbeit im Bündnis und den Mahnwachen usw. teilnehmen konnte. Leider wird der eigentliche Hintergrund für die Notwendigkeit einer kontinuierlichen öffentlichen Mahn- und Aufklärungsarbeit für eine Ächtung jeglicher militärischer Aktionen in der Welt sowie insbesonders der EU gegen das unvorstellbare Bedrohungspotential u.A. durch A-Waffen in den einseitig ausgerichteten ( weil überwiegend vom Kapital beeinflußten Verlegern ) Medien nur völlig unzureichend wahrgenommen und aus vermeintlich sinnvollen Eigeninteressen fast gar nicht veröffentlicht. Wie kann es sinnvoll sein nach einem grausamen, alles zerstörenden 2. Weltkrieg oder einer Vielzahl weiterer Kriege : u.A. Nordkorea, Vietnam!, Bürgerkriege in Südamerika, Afrika ..), der Zeit des kalten Krieges zwischen den Blöcken des Kapitals und dem vermeintlichen Sozialismus militärische „Spielchen“ inclus. angeblich bedauernswerter Kolatteralschäden an der landeseigenen Bevölkerung ( z.B. in Afghanistan) anzuzetteln und diese mit der EU-Eingreiftruppe vermehrt als aus für uns wirtschaftlichen Gründen ( auch gerne vorgeschobenen ethischen Gründen nach westlichen Standards ) als gerechtfertigt, geradezu zur eigenen Sicherung der LebensExistenz erforderlich anzupreisen. Wir kämpfen doch überhaupt nicht um unser menschliches Überleben, sondern lassen kämpfen für eine nuancierte Beibehaltung bzw. Verbesserung unserer Lebensbedingungen. Wo bleiben die Grundsätze des Völkerrechtes, wenn jedes Mittel zu Recht erklärt wird, können wir z.B. dem Iran eigene A-Bomben verweigern, wenn diese Israel schon seit längerem zur freien Entscheidung bereitstehen, wenn Pakistan/Indien ebenfalls A-Bomben zur Verfügung stehen? Weltweit gibt es immer noch etwa 23.000 A-Waffen und warum werden weiterhin, ungeachtet Präs. Obamas Erklärung, weitere A-waffen-Kleinsysteme entwickelt ). Wehalb sind auf unserem Boden immer noch in Bücheln ( Eifel) A-Bomben der USA gelagert? Fragen über Fragen, deren mögliche Antworten einfach verdrängt werden, je nach Lagersituation gut geheißen bzw. verteufelt werden. Wie wir u.a. am Beispiel „Weltpolizist Amerika“ sehen können, bedient sich das Kapital gerade zu der Entfachung von Kriegen und damit der Herstellung sowie dem Verkauf von Waffen, um seinen Wirtschafts-Kreislauf am Leben zu halten. Dies war schon im 1.Weltkrieg so ( siehe nur, abgesehen von Waffenproduktion, die Herstellung von Stacheldraht und sein Verkauf an den „Gegner“ ) - 2 - und es ist auch heute noch so überall. Da „nützen“ selbst landesinterne Verbote von Waffenverkäufen rein gar nichts, zumal die Waffen immer und wenn nicht direkt dann auf Umwegen ihren Käufer erreichen.
„Mit dem Verlust von Arbeitsplätzen“ kann heutzutage jegliche Waffenproduktion bei uns als unverzichtbar erklärt werden. „Schön“ auch für unsere Wirtschaft, wenn ein kleines Land wie Griechenland bei uns anstelle von mühsamen Verhandlungen mit dem Nachbarland Türkei deutsche U-Boote kaufte und sich nebenbei derart verschuldete, dass es zur Finanzkrise im Land wie auch mit Auswirkungen auf die EU kam. Die „einfache“ Bevölkerung darf es dann unter den Fittichen der EU-Sparkommissare mit einer weiteren Verschlechterung seiner Lebensbedingungen infolge der Sparmaßnahmen ausbaden.
Anhand der vorherigen kurzen Gedanken hoffe ich hinreichend verdeutlicht zu haben, wie nach meinem Empfinden total unangemessen hinsichtlich seiner Bedeutung die ernsthafte Mahnveranstaltung des Friedensbündnisses in der Presse ( hier die RP ) beachtet und veröffentlicht wurde.
Zur Vertiefung meiner Aussage, möchte ich nachfolgend noch einige Informationen sowie Textausschnitte der Veranstaltung erwähnen bzw. wiedergeben. Es gab eine Rede des Stellvertr. Bürgermeisters Frank Meyer, ua. über die Tatsache, daß nun ( endlich) die Stadt den Bürgermeistern für den Frieden ( Mayor for Peace ) beitreten wird. Die vielen jedes Jahr sich wiederholenden Bemühungen des Friedensbündnisses in dieser Hinsicht haben damit endlich Erfolg. Die Gruppe „Lukas Mokros und Band“ konnte gewonnen werden und spielte zwischen den Redevorträgen/Lesungen in sehr einfühlsamer und überzeugender Form bekannte Lieder der weltweiten Friedens- und Befreiungsbewegung. Der Leadsänger trug mit der Intensität und Authentität seiner Stimme wesentlich zum würdevollen Rahmen der Veranstaltung bei.
Hier nur ein kleiner Ausschnitt des Briefe einer verstrahlten Japanerin, Frau Misio Kamaguchi, :
„ Ich ziehe keine neuen Kleider an, wegen der Schmerzen wasche ich mich selten, ich streiche mich mit weißer Salbe ein. Wenn ich von Leuten besucht werde, die einen Augenzeugen hören wollen, berichte ich meine Wahrnehmungen am Tage des Bombenabwurfs am 9. August und vom Tage danach, als ich in Nagasaki herumkroch, um meine Mutter zu suchen, die unauffindbar blieb. Ich versuche den Empfindungen der Leute nachzugehen, die diese bomben gemacht haben. ( Frage von mir hierzu: weshalb wurde nicht eine der beiden Bomben zuvor an anderer, menschenleerer Stelle als Warnung und mit genügender Bedenkzeit abgeworfen?) Ich versuche den Empfindungen der Leute nachzugehen, die ihren Abwurf beschlossen haben. …, die sie abwarfen.
Ich versuche zu empfinden, wie die Bombe auf Nagasaki fällt. Der augenblendende Blitz, das anhaltend dunkle Donnern, der Feuersturm, die blicklose Nacht. Die Schmerzenslaute der Kinder, die Unbeweglichkeit der Toten, von der Bombe an die Wände ihrer Häuser gemalt. Die Intensität dieses Briefes geht mir sehr unter die Haut, leider muß ich mich immer wieder fragen, warum es nur eine Minderheit in unserer Bevölkerung inzwischen ist, die sich konkret bemüht, eine stetige Abmahnung der bestehenden Kriegsgefahren inclus. der Anwendung großer Vernichtungswaffen anzustreben, zu unterstützen. Es scheint mir so, dass es eine bestimmte „Elite“ ´weltweit darauf anlegt, die übrigen Menschen so um ihre Existenz ringen zu lassen ( entsprechende wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen anwendend/fördernd ) , so dass kaum noch über die die Menschheit so bedrohende Gesamtsituation nachgedacht werden kann. Wo nicht unmittelbare Unterdrückung gegeben ist, verlangt der Profit immer mehr Leistung sowohl in körperlicher wie zunehmend u.a. bei uns in psychischer Hinsicht. Dies fördert geradezu die Verdrängung der Kriegsgräuel, auch unterstützt durch eine ungebremste „hautnahe“ Darstellung in der Medienwelt mit dem Effekt der Verharmlosung und Abstumpfung. Nachfolgende Rede von Bertold Brecht über den Frieden 1952 , also bereits relativ kurze Zeit nach dem Ende des 2. Weltkrieges entstanden, sollte uns ( allen Menschen ) ebenfalls als Mahnung dienen.
Hier ein Auszug der Verlesung durch die aktiven Mitglieder des Friedensbündnisses:
„Das Gedächtnis der Menschheit für erduldete Leiden ist erstaunlich kurz. Ihre Vorstellungsgabe für kommende Leiden ist fast noch geringer…. Der Hamburger ist noch umringt von Ruinen, und doch zögert er, die Hand gegen einen neuen Krieg zu erheben….Der Regen von gestern macht und nicht naß, sagen viele. Diese Abgestumpftheit ist es, die wir zu bekämpfen haben, ihr äußerster Grad ist der Tod. Allzu viele kommen uns heute schon vor wie Tote, wie Leute, die schon hinter sich haben, was sie vor sich haben, so wenig tun sie dagegen. Und doch wird mich nichts davon überzeugen, dass es aussichtslos ist, der Vernunft gegen ihre Feinde beizustehen. Laßt uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen, damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde! Laßt uns die Warnungen erneuern, und wenn sie schon wie Asche im Mund sind! Denn der Menschheit drohen Kriege, gegen welche die die vergangenen wie armselige Versuche sind, und sie werden kommen ohne Zweifel wenn denen, die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten, nicht die Hände zerschlagen werden.“ Diesen Worten von Brecht möchte ich wegen ihrer bleibenden Aktualität nichts mehr hinzufügen.
Hiermit spreche ich letztlich meinen Dank gegenüber den Akteuren im Krefelder Friedensbündnis aus begleitet mit dem Wunsch, daß dem Bündnis mehr UnterstützerInnen zuwachsen mögen, besonders auch aktive jüngere Menschen.
- Für ein soziales Europa – keine EU-Militärmacht Abrüstung statt Sozialabbau
- Für Frieden und eine gerechte, soziale Weltordnung
- Nein zu Kriegen ( auch nein zu Kriegen außerhalb Europas ) Europa wird in keiner Weise am Hindukusch verteidigt
- Wir dürfen nicht über internen Belange anderer Länder und deren Kulturen bestimmen.
Angelika Neumann, Mitglied im Vorstand der Partei DIE LINKE Krefeld